CO₂ raus aus der Atmosphäre – aber zuerst müssen wir es gar nicht erst ausstoßen. Was Natur und Technik heute schon zur CO₂-Entnahme beitragen können
Zusammenfassung
CO₂ vermeiden reicht nicht mehr – warum wir zusätzlich entnehmen müssen
CO₂ vermeiden bleibt der wichtigste Hebel gegen die Klimakrise. Aber selbst mit konsequenter Reduktion wird ein Teil des bereits ausgestoßenen CO₂ zusätzlich wieder aus der Atmosphäre geholt werden müssen. Dafür gibt es heute schon zwei große Wege: naturbasierte Lösungen wie Wälder, Moore und Böden – und technische Verfahren wie Direct Air Capture, Pflanzenkohle oder Mineralisierung. Beide Wege unterscheiden sich stark bei Kosten, Energiebedarf und Dauerhaftigkeit.
Warum die Kombination mehr bewirkt als die Suche nach der einen besten Methode: Naturbasierte Lösungen sind günstiger und sofort verfügbar, aber ihre Speicherung ist nicht dauerhaft gesichert. Technische Lösungen speichern oft für Jahrhunderte, sind aber teuer und energieintensiv. Erst im Zusammenspiel decken sie ab, was für Klimaneutralität nötig ist.

Das können wir tun
Was du, dein Unternehmen und die Politik schon heute tun können
Für Bürger:innen: Natur stärken – und beim Kompensieren genau hinschauen
Wälder, Moore und naturnahe Landwirtschaft unterstützen heißt: lokale Aufforstungs- und Moorschutzprojekte fördern, beim Einkauf auf Bio- und Agroforstprodukte achten, Spenden gezielt an Organisationen richten, die nachprüfbar arbeiten. Wer CO₂-Zertifikate kauft, sollte immer fragen: Wird hier wirklich CO₂ aus der Atmosphäre entfernt und dauerhaft gespeichert – oder nur eine Emission an anderer Stelle vermieden? Das ist ein entscheidender Unterschied.
Für Unternehmen: Erst reduzieren, dann entfernen
CO₂-Entnahme darf niemals zum Ersatz für die eigene Emissionsreduktion werden – sie ist ausschließlich für die Emissionen gedacht, die sich technisch (noch) nicht vermeiden lassen. Unternehmen, die heute schon CDR-Zertifikate einsetzen, sollten sich frühzeitig an den neuen EU-Kategorien orientieren: dauerhafte Entnahme (DACCS, Pflanzenkohle, BECCS), Carbon Farming (Moor, Agroforst, Aufforstung) und CO₂-Speicherung in Produkten.
Für die Politik: Beides ermöglichen – und Messbarkeit erzwingen
Es braucht gleichzeitig Schutz natürlicher Senken und Investitionen in technische Infrastruktur. Damit daraus kein Greenwashing wird, müssen CO₂-Entnahmen nachweisbar und überprüfbar sein – genau das ist der Kern der neuen EU-Zertifizierung.
Das bringt es
Warum ein einzelnes Projekt den CO₂-Wert nicht bewegt – aber trotzdem zählt
Aktuell entziehen alle CO₂-Absorptionen zusammen der Atmosphäre rund 2 Gigatonnen CO₂ pro Jahr weltweit – der weit überwiegende Teil davon über Wälder und Böden. Der Weltklimarat IPCC hält für 2050 ein technisches Potenzial von deutlich mehr für möglich, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass Fläche, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz das tatsächlich nutzbare Volumen begrenzen.
Zur Einordnung, wie klein ein einzelnes Projekt gegen den globalen CO₂-Wert wirkt: Nach der Umrechnung 1 ppm CO₂ ≈ 7,814 Gigatonnen CO₂ entspricht eine Million Tonnen entnommenes CO₂ rechnerisch rund 0,000128 ppm – ein für sich genommen nicht messbarer Bruchteil. Wenn 1.000 Menschen gemeinsam ein Pflanzenkohle-Projekt mit je einer Tonne CO₂ pro Jahr unterstützen, bindet das rund 1.000 Tonnen CO₂ – nachweisbar für Jahrhunderte im Boden, aber für den globalen ppm-Wert noch nicht sichtbar. Der Punkt ist nicht, dass einzelne Projekte den Messwert bewegen – sondern dass sich ihre Wirkung erst in der Summe vieler Maßnahmen zeigt. Genau deshalb sind belastbare, addierbare Zertifizierungsstandards so wichtig.
Für Österreich zeigt eine Analyse des Finanzministeriums im Rahmen der Carbon Management Strategie einen jährlichen Speicherbedarf von rund 5 bis 10 Millionen Tonnen CO₂, um die Klimaneutralität kosteneffizient zu erreichen – vor allem für die Emissionen aus Industriezweigen wie Zement, Stahl oder Chemie, die sich nicht anders vermeiden lassen.
Die Forschung
Was die Wissenschaft heute schon weiß – und was noch offen ist
Wer forscht? Der Weltklimarat IPCC bündelt in seinem Sachstandsbericht den internationalen Forschungsstand zu allen CO₂-Entnahme-Methoden. Ergänzend liefert der jährlich erscheinende State of Carbon Dioxide Removal-Report von einem internationalen Forschungskonsortium den aktuellsten globalen Überblick zu Entwicklung und Skalierung der einzelnen Verfahren.
Wie wird geforscht? Neben Modellrechnungen zu Kosten, Flächenbedarf und Energieeinsatz je Methode untersuchen Feldprojekte – etwa zu beschleunigter Gesteinsverwitterung auf landwirtschaftlichen Flächen oder zu Direct-Air-Capture-Pilotanlagen – wie sich Verfahren tatsächlich im großen Maßstab verhalten, nicht nur im Labor.
Was ist das Kernergebnis? Es gibt keine einzelne Methode, die für sich allein ausreicht.
Naturbasierte Verfahren sind günstiger und näher an breiter Anwendung, ihre Speicherung lässt sich aber leichter wieder rückgängig machen – etwa durch Waldbrand oder Dürre.
Technische Verfahren ermöglichen eine sehr dauerhafte Speicherung, sind aber teurer und benötigen noch erhebliche Weiterentwicklung. Der IPCC ordnet beide Wege deshalb als sich ergänzend statt konkurrierend ein.
Im Überblick: Natur- und technikbasierte Verfahren
🌿 Naturbasiert | ⚙️ Technisch | |
Heute verfügbar | Ja, etabliert | Teilweise, im Aufbau |
Kosten pro Tonne | meist niedriger | meist deutlich höher |
Energiebedarf | gering | teils sehr hoch |
Speicherdauer | oft Jahrzehnte, nicht garantiert | teils Jahrhunderte |
Größtes Risiko | Rückgabe durch Feuer, Dürre, Schädlinge | Energiebedarf, hohe Kosten |
Beispiele | Aufforstung, Moorrenaturierung, Carbon Farming | Direct Air Capture, Pflanzenkohle, Mineralisierung, BECCS |
Quellenangaben
State of Carbon Dioxide Removal, aktuelle Ausgabe: globaler Überblick zu Stand und Skalierung
Österreichisches Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz: Carbon Management, CRCF-Umsetzung Österreich
Nächster Schritt: Schau dir an, ob ein Aufforstungs- oder Moorschutzprojekt in deiner Nähe Unterstützung sucht – das ist der naturbasierte Einstieg, den jede:r schon heute machen kann.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI generiert.


