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Dein Garten zählt: Was ein Bürgerforschungsprojekt über die Artenvielfalt vor der Haustür verrät

8. Aug.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Aug.



Fast 2.500 Hobbygärtner:innen haben ihre Gärten und Balkone für die Wissenschaft geöffnet – und dabei über 4.400 Pflanzenarten dokumentiert. Das Forschungsprojekt GartenDiv zeigt: Private Grünflächen sind ein unterschätzter Hotspot für Biodiversität. Was das für Bürger:innen, Unternehmen und Politik bedeutet.


Warum private Gärten und Balkone besonders wertvoll für die Artenvielfalt sind: In Deutschland gärtnern rund 36 Millionen Menschen – zusammen bewirtschaften sie eine Fläche, die viele klassische Schutzgebiete übertrifft. Anders als große, isolierte Naturschutzflächen liegen Gärten und Balkone meist mitten in Städten und Dörfern und wirken dort als sogenannte Trittsteinbiotope: kleine, vernetzte Lebensräume, die Insekten, Vögeln und anderen Arten helfen, zwischen größeren Grünflächen zu wandern. Da diese Flächen bereits in Privatbesitz sind, entstehen dabei kaum Nutzungskonflikte – jede naturnahe Ecke im eigenen Garten ist ein direkter, sofort wirksamer Beitrag zum Artenschutz.


HANDLUNGSANWEISUNGEN

Vom eigenen Garten bis zur Kommune


FÜR BÜRGER:INNEN

Eine naturnahe Ecke im Garten ist schon ein Anfang

  • Mindestens eine Teilfläche im Garten oder auf dem Balkon naturnah gestalten: heimische Wildstauden und -blumen statt reiner Zierpflanzen, dazu ungemähte Ecken, Totholz- oder Steinhaufen als Rückzugsorte.

  • Nutz- und Naturgarten müssen kein Widerspruch sein: Erste Auswertungen zeigen, dass sich Gemüse- und Obstanbau gut mit naturnah gestalteten Flächen kombinieren lässt.

  • Beim eigenen Pflanzeneinkauf gezielt nach heimischen Arten fragen und invasive Problemarten meiden (Beratung dazu bieten lokale Naturschutzverbände und Gartenvereine).

  • Selbst forschen: Bei den GartenDiv-Tagen mitmachen und die Pflanzen im eigenen Garten oder Balkonkasten per Foto-App dokumentieren – das ganze Jahr über möglich. Zur Teilnahme bei GartenDiv (Flora Incognita)


FÜR GÄRTNEREIEN & BAUUNTERNEHMEN

Heimische Wildpflanzen statt Schottergarten

  • Gärtnereien, Gartencenter und Baumschulen: Sortiment an heimischen Wildpflanzen und -saatgut sichtbar ausbauen und aktiv bewerben, statt überwiegend exotische Zierpflanzen in den Vordergrund zu stellen.

  • Landschafts- und Wohnbauunternehmen: Bei Außenanlagen von Neubauten naturnahe, artenreiche Begrünung als Standard statt Rasenmonokultur oder Schottergarten anbieten.

  • Verkaufs- und Beratungspersonal zu heimischen sowie invasiven Arten schulen, damit Kund:innen fundiert beraten werden können.


FÜR DIE POLITIK

Förderprogramme für naturnahe Gärten, Langzeitfinanzierung für die Forschung

  • Kommunale Förderprogramme für naturnahe Vorgärten und Grünflächen auflegen bzw. ausweiten, wie es einzelne Kommunen bereits tun.

  • Verbindliche Vorgaben gegen Schottergärten und für einen Mindestanteil naturnaher, heimischer Bepflanzung in Bebauungsplänen verankern.

  • Citizen-Science-Projekte wie GartenDiv langfristig finanzieren: Erst eine breite, mehrjährige Datengrundlage erlaubt evidenzbasierte Entscheidungen, etwa beim Management invasiver Arten in Zusammenarbeit mit Kommunen und Naturschutzverbänden.


HOCHRECHNUNG

Wenn 1.000 Kleingärtner:innen naturnah gestalten, entstehen 1,8 globale Hektar neuer Lebensraum


 Leitkennzahl Ökologischer Fußabdruck. Nehmen wir die zentrale Handlungsempfehlung – "mindestens eine Teilfläche naturnah gestalten" – und rechnen sie in unserer Leitkennzahl hoch: Ein durchschnittlicher Kleingarten in Deutschland ist laut Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands (BKD) rund 370 Quadratmeter groß. Würden 1.000 Kleingärtner:innen zusätzlich zu ihrem bisherigen Grün jeweils zehn Prozent ihrer Parzelle – also rund 37 Quadratmeter pro Garten – neu naturnah gestalten (Wildstauden, ungemähte Ecken, Totholz- und Steinhaufen), entstünden zusammen 37.000 Quadratmeter bzw. 3,7 Hektar neuer, vernetzter Lebensraum.

Um diese Fläche in die Leitkennzahl Ökologischer Fußabdruck zu übersetzen, wendet das Global Footprint Network (GFN) sogenannte Äquivalenzfaktoren an: Sie rechnen physische Hektar eines Landtyps in "globale Hektar" (gha) um, die international vergleichbare Standardeinheit des Fußabdruck-Konzepts. Naturnahe, extensiv genutzte Flächen wie Wildblumenecken oder ungemähte Bereiche werden dabei am ehesten wie Grasland/Weideland eingeordnet, mit einem GFN-Äquivalenzfaktor von rund 0,49. Damit ergibt die Hochrechnung: 3,7 ha × 0,49 ≈ 1,8 globale Hektar (gha) an zusätzlicher Biokapazität, die 1.000 Menschen mit dieser einen Maßnahme bereitstellen würden – ganz ohne zusätzliche Flächenversiegelung.

Hinweis zur Berechnung: Die durchschnittliche Kleingarten-Größe (370 m²) stammt vom BKD, dem Kooperationspartner der GartenDiv-Studie. Der Anteil von "zusätzlich zehn Prozent" ist eine plausible, im Text transparent gemachte Annahme, keine gemessene Studiengröße; er orientiert sich an der von der Kleingarten-Teilstudie ermittelten Bandbreite naturnaher Flächenanteile (siehe oben, rund 20 Prozent im Bestand). Die Umrechnung in globale Hektar folgt der GFN-Methodik der Äquivalenzfaktoren, ist aber – wie bei allen Fußabdruck-Hochrechnungen für Einzelmaßnahmen – eine Näherung: Sie bildet die von der Fläche bereitgestellte Biokapazität ab, nicht direkt eine "Einsparung" im engeren Sinn, da naturnahe Gartenflächen in der offiziellen Länderbilanzierung des GFN weiterhin als Siedlungsfläche gezählt werden. Zum Vergleich: Der ökologische Fußabdruck eines einzelnen Menschen in Österreich liegt bei rund 6,1 gha pro Jahr – die Hochrechnung zeigt also eine kleine, aber reale und alltagsnahe Stellschraube, kein Ersatz für die großen Hebel bei Energie, Mobilität und Ernährung.


DIE STUDIE

2.500 Gärtner:innen, 4.458 Pflanzenarten: Was GartenDiv zeigt

GartenDiv ist ein bundesweites Bürgerwissenschaftsprojekt unter Federführung der Universität Leipzig, koordiniert gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Projektpartner sind das Julius Kühn-Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen), der Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands (BKD) sowie die Pflanzenerkennungs-App "Flora Incognita", die gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie und der TU Ilmenau für das Projekt weiterentwickelt wurde.

Die Methode ist Citizen Science: Teilnehmende fotografieren die Pflanzen in ihrem Garten, auf dem Balkon oder im Schulgarten, die App erkennt die Arten automatisch, die Beobachtungen fließen anonymisiert in die Forschung ein. Seit dem Start im Mai 2025 haben knapp 2.500 Gärtner:innen mitgemacht und zusammen 169.205 Einzelbeobachtungen zu 4.458 verschiedenen Pflanzenarten eingereicht – von Haus- und Kleingärten bis zu Balkonkästen und Schulgärten.

Ein zentrales Ergebnis des Pilotjahres: 28 Prozent der erfassten Arten gelten in Deutschland als heimisch, 72 Prozent nicht – viele davon eingewanderte oder gezielt angepflanzte Arten. Was diese Mischung für die tatsächliche ökologische Wirkung von Gärten bedeutet, untersuchen die Forschenden nun genauer. Eine begleitende Auswertung gemeinsam mit dem BKD unter mehr als 300 Kleingärtner:innen ergab zudem: Naturnah gestaltete Flächen machten im Schnitt rund 20 Prozent der Gartenfläche aus, weitere 20 Prozent entfielen auf Gemüsebeete und 16 Prozent auf Obstanbau – und bemerkenswerte 7 Prozent der dort erfassten Arten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten.

Seit dem 22. Mai 2026, dem Internationalen Tag der Biodiversität, läuft die zweite Projektrunde: die sogenannten GartenDiv-Tage. "Teilnehmende sollen dazu ermutigt werden, alle Pflanzen in ihrem Garten aufzunehmen, ausdrücklich auch Obst- und Gemüsepflanzen, Wildpflanzen, auch die unscheinbaren Kräuter und kleinen Pflanzen, die man leicht übersieht", erklärt Projektleiter Dr. Ingmar Staude vom Institut für Biologie der Universität Leipzig. Die Forschenden betonen: Die bisherigen Ergebnisse sind wegen der noch begrenzten und nicht zufällig ausgewählten Stichprobe erst teilweise repräsentativ – je mehr Menschen mitmachen, desto genauer wird das Bild der tatsächlichen Artenvielfalt in Deutschlands Gärten.



Quelle Hochrechnung: Durchschnittliche Kleingarten-Größe: Zahlen und Fakten, Bundesverband der Kleingartenvereine Deutschlands (BKD). Äquivalenzfaktor Grasland/Weideland (≈ 0,49) sowie Methodik der globalen Hektar: Global Footprint Network – Data and Methodology. Ökologischer Fußabdruck Österreich (≈ 6,1 gha/Person): Global Footprint Network, Stand 2026 (siehe Projekt-Leitkennzahlen).


Dieser Artikel wurde mit KI Unterstützung geschrieben

Hier gibt es schon 

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