Wie nachhaltig sind Österreichs Parteien? Ein Vergleich auf Basis der Nationalratswahl 2024
Aktualisiert: 13. Aug.
Was die Parteien Österreichs für Klima, Natur und Ressourcen versprechen
Nachhaltigkeit ist längst ein politisches Thema. Doch zwischen einem allgemeinen Bekenntnis zum Klimaschutz und einem konkreten Plan, wie Österreich tatsächlich weniger Treibhausgase ausstößt und Ressourcen schont, liegt ein großer Unterschied.
Permundi hat deshalb die Wahlprogramme der Parteien, die bei der Nationalratswahl 2024 bundesweit angetreten sind, unter einem besonderen Blickwinkel betrachtet:
Was wollen die Parteien konkret verändern – und wie ambitioniert sind ihre Pläne für Klima, Energie, Mobilität, Natur und Ressourcen? Dabei geht es nicht darum, welche Partei „gut“ oder „schlecht“ ist. Es geht darum, sichtbar zu machen, welche Lösungen die Parteien vorschlagen, wo sie konkrete Maßnahmen nennen und wo Aussagen eher allgemein bleiben.
Die Grundlage bilden die Wahlprogramme der neun bundesweit angetretenen Listen sowie ergänzende Analysen, unter anderem der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. Bei der Nationalratswahl 2024 traten bundesweit ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne, NEOS, Bierpartei, KPÖ, Liste Madeleine Petrovic und KEINE an.

Zwei Fragen, die für Permundi entscheidend sind
Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz. Deshalb betrachtet Permundi zwei große Bereiche:
KLIMA
Wie wollen wir die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre reduzieren?
Dazu gehören unter anderem:
Ausstieg aus fossilen Energien
erneuerbare Energie
Verkehr
Gebäude und Heizen
Industrie
Klimaschutzgesetz und CO₂-Budget
RESSOURCEN
Wie gehen wir mit den natürlichen Lebensgrundlagen um?
Dazu gehören:
Boden und Flächenverbrauch
Landwirtschaft
Wasser
Rohstoffe
Kreislaufwirtschaft
Biodiversität
Natur- und Landschaftsschutz
Denn auch wenn eine Maßnahme CO₂ reduziert, kann sie gleichzeitig einen hohen Ressourcenverbrauch verursachen – und umgekehrt.

Was wollen die Parteien?
Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Wer ist für Klimaschutz?“ Sondern: „Welche Maßnahmen sollen tatsächlich umgesetzt werden?“ Und: „Wie verändern diese Maßnahmen unseren CO₂-Ausstoß und unseren Ressourcenverbrauch?“ Danach haben wir die verschiedenen Programm auf Basis der Daten der Nationalratswahl 2024 analysiert. Die Basis dienten uns unter anderem die Parteiprogramme. (Quellen)
Die Grünen: umfassendste ökologische Transformation
Im Wahlprogramm der Grünen ist Nachhaltigkeit am stärksten als umfassende gesellschaftliche Transformation angelegt. Die Grünen bekennen sich ausdrücklich zur Klimaneutralität Österreichs bis 2040. Sie fordern ein Klimaschutzgesetz mit klaren Zielen für einzelne Sektoren und einem verbindlichen CO₂-Budget. Auch der Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie der öffentliche Verkehr spielen eine zentrale Rolle. Auch beim Bodenverbrauch setzen die Grünen konkrete Ziele.
Permundi-Eindruck: Sehr ambitioniert, mit zahlreichen konkreten Instrumenten.
SPÖ: Klimaschutz mit sozialer Transformation
Auch die SPÖ nennt die Klimaneutralität 2040 ausdrücklich als Ziel. Besonders stark ist die Verbindung von Klimaschutz und sozialer Politik. Die SPÖ verbindet ökologische Transformation unter anderem mit öffentlichen Investitionen, einem Transformationsfonds, dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs und Maßnahmen gegen Energiearmut. Auch ein Klimaschutzgesetz und der Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen finden sich im Programm.
Permundi-Eindruck: Hohe ökologische Ambition, besonders stark bei der sozialen Gestaltung des Wandels.
KPÖ: Klimaschutz als soziale Frage
Die KPÖ verfolgt einen stark sozialen Ansatz. Sie fordert unter anderem den Ausstieg aus fossilen Energien, den Ausbau erneuerbarer Energien in kommunalem Eigentum sowie Maßnahmen gegen Energiearmut. Interessant ist die Forderung nach einer Energiegrundsicherung: Ein Grundkontingent an Strom und Heizenergie soll Haushalten kostenlos zur Verfügung stehen. GLOBAL 2000 korrigierte deshalb seine ursprüngliche Bewertung der KPÖ bei der sozialen Klimapolitik nach oben.
Die KPÖ formulierte im Wahlprogramm allerdings nicht ausdrücklich das Ziel „Klimaneutralität 2040“. Nach der Veröffentlichung erklärte der damalige Spitzenkandidat, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen auf dieses Ziel ausgerichtet seien.
Permundi-Eindruck: Ökologisch und sozial ambitioniert, aber weniger umfassend und verbindlich formuliert als Grüne und SPÖ.
NEOS: Klimaschutz über Markt und Innovation
NEOS verfolgen einen anderen Ansatz. Im Mittelpunkt steht eine Klimareform, die Klimaschutz stärker mit wirtschaftlichen Anreizen, Innovation und marktwirtschaftlichen Instrumenten verbinden soll. Ein wichtiges Element ist eine stärkere CO₂-Bepreisung, verbunden mit einer Entlastung bei anderen Steuern. Das unterscheidet NEOS deutlich von Parteien, die Klimaschutz vor allem über Verbote, staatliche Investitionen und verbindliche Vorgaben organisieren wollen.
Permundi-Eindruck: Klarer Klimaschutzansatz, aber stärker technologie- und marktorientiert.
ÖVP: Technologie statt Verbote
Die ÖVP bekennt sich zum Pariser Klimaabkommen und setzt stark auf technologische Lösungen, Innovation und den Ausbau erneuerbarer Energien. Gleichzeitig lehnt sie viele Verbote als klimapolitisches Instrument ab und setzt unter anderem auf Technologieoffenheit und synthetische Kraftstoffe. Genau hier liegt einer der wesentlichen Unterschiede zu den Grünen und der SPÖ.
Die Frage lautet also nicht nur:
„Will die Partei Klimaschutz?“
Sondern:
„Wie soll Klimaschutz funktionieren?“
Die ÖVP setzt stärker auf Technologie, Innovation und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, während andere Parteien stärker auf verbindliche Reduktionspfade und Regulierung setzen.
Permundi-Eindruck: Nachhaltigkeit vorhanden, aber weniger verbindlich und weniger transformativ als bei Grünen und SPÖ.
FPÖ: Natur- und Umweltschutz statt klassischer Klimapolitik
Bei der FPÖ zeigt sich ein grundsätzlich anderes Verständnis.
Die Partei unterscheidet zwischen Natur- und Umweltschutz und dem, was sie als „ideologischen Klimaschutz“ bezeichnet. Sie lehnt unter anderem eine CO₂-Steuer und verschiedene klimapolitische Verbote ab und setzt stärker auf Technologieoffenheit und individuelle Mobilität. Das bedeutet nicht, dass Natur- und Umweltschutz im Programm keine Rolle spielen. Es bedeutet vielmehr: Die FPÖ setzt andere politische Prioritäten und lehnt zentrale Instrumente der klassischen Klimapolitik ab. GLOBAL 2000 bewertete das FPÖ-Programm bei seinen sieben Klimaschutzkriterien entsprechend sehr kritisch.
Permundi-Eindruck:Deutlich geringere Klimaschutzambition als bei den anderen untersuchten Parteien.
KEINE: sozial-ökologischer Ansatz
Die Liste KEINE, hinter der die Bewegung Wandel steht, verbindet Klimaschutz stark mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem soziale Gerechtigkeit, öffentliche Daseinsvorsorge und eine andere Verteilung von Vermögen und wirtschaftlicher Macht.
Permundi-Eindruck: Interessanter sozial-ökologischer Ansatz, allerdings mit weniger detaillierter Klimapolitik als bei Grünen und SPÖ.
Der große Unterschied: Nur Ziel oder konkreter Plan?
Ein Blick auf die Wahlprogramme zeigt etwas Entscheidendes: Es reicht nicht, nach dem Wort „Klimaschutz“ zu suchen. Entscheidend ist, ob eine Partei auch beantwortet:
Was genau soll passieren? Zum Beispiel: „Österreich soll klimaneutral werden.“
ist ein Ziel. Ein verbindliches CO₂-Budget, gesetzliche Reduktionspfade für einzelne Sektoren und ein gesetzlicher Ausstieg aus fossilen Heizungen sind dagegen konkrete Instrumente.
GLOBAL 2000 kommt bei genau dieser Unterscheidung zu einem deutlichen Ergebnis: Nur SPÖ und Grüne bekannten sich im Wahlprogramm ausdrücklich zur Klimaneutralität Österreichs bis 2040. Auch ein Klimaschutzgesetz mit verbindlichem Ausstiegspfad für fossile Energien fand sich in dieser Analyse nur bei diesen beiden Parteien.
Unsere Permundi-Matrix
Für einen vergleichbaren Blick lassen sich die Programme in zehn Bereiche einteilen:
Bereich | Was wir untersuchen |
Klima | Klimaziel, CO₂-Reduktion, Klimagesetz |
Energie | Erneuerbare, Öl, Gas, fossiler Ausstieg |
Gebäude | Heizen, Sanierung, Energieeffizienz |
Mobilität | Bahn, öffentlicher Verkehr, Auto, Flugverkehr |
Landwirtschaft | Boden, Tierhaltung, Ernährung, Pestizide |
Natur | Biodiversität, Schutzgebiete, Wälder |
Flächen | Bodenverbrauch, Versiegelung |
Ressourcen | Rohstoffe, Kreislaufwirtschaft, Konsum |
Wirtschaft | Industrie, Innovation, Transformation |
Soziales | Energiearmut, Leistbarkeit, soziale Verteilung |
Dabei bewerten wir nicht die Parteien als Menschen oder politische Bewegungen.
Wir bewerten konkrete politische Vorschläge.
Was können wir daraus lernen?
Der Parteienvergleich zeigt: Österreichs Parteien haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie eine nachhaltige Zukunft erreicht werden soll. Die einen setzen auf verbindliche Klimaziele und Regulierung. Andere auf Technologie und Innovation. Andere wiederum auf Marktmechanismen. Und wieder andere verbinden Klimaschutz vor allem mit sozialer Umverteilung und öffentlicher Daseinsvorsorge.Das ist für eine demokratische Gesellschaft wichtig.
Nachhaltigkeit ist eine politische Entscheidung – aber nicht nur eine politische
Die gute Nachricht: Wir wissen bereits sehr viel darüber, welche Maßnahmen wirken.
Jetzt geht es darum, diese Erkenntnisse in konkrete Entscheidungen zu übersetzen – in Unternehmen, Gemeinden, Haushalten und in der Politik. Permundi möchte deshalb nicht vorschreiben, was Du wählen sollst. Wir möchten sichtbar machen:
WAS wird vorgeschlagen?
WAS ist davon konkret?
WAS könnte es bewirken?
Und:
WER kann etwas verändern?
Denn verstehen ist der erste Schritt. Wir zeigen den zweiten.
Quellen
Österreichisches Bundesministerium für Inneres: Endgültiges Ergebnis der Nationalratswahl 2024.
GLOBAL 2000: „Der große GLOBAL 2000-Wahlprogramm-Check in Hinblick auf Klimaschutz“, 12. September 2024.
Die jeweiligen Wahlprogramme der Parteien als Primärquellen.
Hinweis: Dieser Beitrag vergleicht die Wahlprogramme zur Nationalratswahl 2024. Er ist keine Bewertung der aktuellen Regierungsarbeit oder der politischen Positionen im Jahr 2026.
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI generiert


